Vipern faszinieren und erschrecken zugleich. Sie kommen auf fast allen bewohnten Kontinenten vor, schlagen schneller zu als das menschliche Auge wahrnehmen kann, und ihr Gift kann innerhalb von Minuten lebensbedrohliche Reaktionen auslösen. Dabei sind ihre Strategien so verschieden wie ihre Lebensräume: Manche rasseln, manche zischen, manche liegen so reglos im Laub, dass man sie erst bemerkt, wenn es zu spät ist.
Die zehn Arten in diesem Ranking gelten bei Medizinern, Herpetologen und Gesundheitsbehörden als die gefährlichsten Vipern für den Menschen. Ausschlaggebend sind dabei nicht nur die Gifttoxizität im Labor, sondern vor allem die dokumentierten Auswirkungen auf menschliche Populationen und die Häufigkeit ernsthafter Vergiftungsfälle.
Vergleichstabelle: die 10 gefährlichsten Vipern
| # | Deutscher Name | Wissenschaftlicher Name | Verbreitung | Hauptgifttyp | Fortpflanzung |
|---|---|---|---|---|---|
| 10 | Schuppenviper / Echis-Viper | Echis spp. | Afrika, Naher Osten, Südasien | Hämotoxisch (koagulopathisch) | Ovovivipar |
| 9 | Russells Viper | Daboia russelii | Süd- und Südostasien | Hämotoxisch (koagulopathisch) | Vivipar |
| 8 | Klapperschlange | Crotalus spp. | Amerika (v. a. Nordamerika) | Hämotoxisch / zytotoxisch (artabhängig) | Vivipar |
| 7 | Puffotter | Bitis arietans | Afrika südlich der Sahara, Arabische Halbinsel | Zytotoxisch / hämotoxisch | Vivipar |
| 6 | Sandviper / Hornviper | Vipera ammodytes | Südl. u. SO-Europa, Westasien | Hämotoxisch / neurotoxisch (einige Populationen) | Vivipar |
| 5 | Levantinische Viper | Macrovipera lebetina | Naher Osten, Zentralasien, Nordafrika | Hämotoxisch / zytotoxisch | Ovipar |
| 4 | Gabunviper | Bitis gabonica | Tropische Wälder Afrikas | Zytotoxisch / hämotoxisch | Vivipar |
| 3 | Fer-de-Lance | Bothrops asper | Mittelamerika, nördl. Südamerika | Hämotoxisch / zytotoxisch | Vivipar |
| 2 | Buschvipern | Atheris spp. | Tropisches Afrika südlich der Sahara | Hämotoxisch / koagulopathisch | Vivipar |
| 1 | Aspisviper | Vipera aspis | West- und Mitteleuropa | Hämotoxisch / zytotoxisch (einige Populationen neurotoxisch) | Vivipar |
Nr. 10: Schuppenviper (Echis spp.) Eingebautes Warnsystem
Wer denkt, Größe sei gleichbedeutend mit Gefährlichkeit, liegt bei der Schuppenviper grundlegend falsch. Die Arten der Gattung Echis sind vergleichsweise klein, doch die Weltgesundheitsorganisation erkennt sie als eine der Hauptursachen für schwere Schlangenbisse in mehreren Regionen Afrikas, des Nahen Ostens und Südasiens an.
Rasseln ohne Rassel
Wenn eine Schuppenviper sich bedroht fühlt, ringelt sie sich in eine Reihe enger S-förmiger Schlaufen und reibt ihre stark gekielten seitlichen Schuppen aneinander. Das erzeugt ein charakteristisches, weithin hörbares Zischgeräusch, das als Warnung dient, bevor oder während die Schlange zusticht. Dieses Verhalten ist eines der unverwechselbarsten Abwehrmechanismen unter den Vipern weltweit.
Seitwärtsbewegung im Sand
Einige Echis-Arten nutzen auf losem Sand eine seitliche Fortbewegungsweise, das sogenannte Sidewinding. Anstatt kontinuierlich gegen den instabilen Untergrund zu drücken, wirft die Schlange ihren Körper in eine Abfolge seitlicher Wellen und setzt ihn nur kurz auf dem Boden ab. Dadurch wird das Abrutschen minimiert, und die Schlange kann sich auf losen Untergründen effizient fortbewegen.
Klein, aber medizinisch hochrelevant
Das Gift von Echis carinatus enthält Komponenten, die die Blutgerinnung massiv stören, darunter Toxine, die Gerinnungsfaktoren aktivieren und eine Verbrauchskoagulopathie auslösen können. Dokumentierte Vergiftungsfolgen sind lokale Schwellung und Gewebsnekrose, spontane Blutungen und in manchen Fällen akute Nierenschäden.
Nr. 9: Russells Viper (Daboia russelii) Eindrucksvolles Zischen
Russells Viper gehört zu den medizinisch bedeutsamsten Schlangen in ganz Südasien. Die WHO führt sie unter den wichtigsten Ursachen für Schlangenbisse in Indien und weist darauf hin, dass diese Art jährlich tausende Vergiftungsfälle in Süd- und Südostasien verursacht, vor allem in landwirtschaftlich geprägten Regionen.
Ein Zischen, das niemand überhört
Wenn Russells Viper in die Enge getrieben wird, bläht sie ihren Körper auf, rollt sich in Verteidigungsringe und stößt ein außergewöhnlich lautes, anhaltendes Zischen aus. Es handelt sich um eines der auffälligsten akustischen Abwehrsignale unter den Vipern überhaupt, wenngleich die Bezeichnung „lauteste Schlange der Welt" wissenschaftlich nicht hinreichend belegt ist.
Lebendgebärend, nicht eierlegend
Russells Viper legt keine Eier. Die Embryonen entwickeln sich im Mutterleib, und das Weibchen bringt vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. Diese Fortpflanzungsstrategie unterscheidet sie von eierlegenden Viperarten.
Gift mit weitreichenden Folgen
Eine Vergiftung kann zu schwerer Koagulopathie, Hämorrhagie, lokaler Gewebeschädigung und akuten Nierenkomplikationen führen. In ländlichen Teilen Südasiens ist Russells Viper eine bedeutende Ursache für vermeidbare Todesfälle und dauerhafte Behinderungen durch Schlangenbisse.
Nr. 8: Klapperschlange (Crotalus spp.) Weltberühmte Warnsignale
Kaum eine Schlange ist so ikonisch wie die Klapperschlange. Die Arten der Gattung Crotalus sind Grubenottern Amerikas und tragen mit ihrer Schwanzrassel zu einem ihrer bekanntesten Erkennungsmerkmale bei. Die Rassel dient ausschließlich zur Abwehr und nicht zur Jagd.
Keratin statt Knochen
Die Rassel besteht aus ineinandergreifenden Keratin-Segmenten, demselben Strukturprotein, aus dem menschliche Haare und Fingernägel bestehen. Bei jeder Häutung kommt ein neues Segment hinzu, ältere Segmente können jedoch abbrechen oder beschädigt werden. Das Zählen der Ringe ist daher keine zuverlässige Methode zur Altersbestimmung.
Einklappbare Hohlzähne
Wie alle Vipern besitzen Klapperschlangen lange, hohle Vorderzähne, die beim Biss nach vorne schwingen und in Ruheposition am Gaumen anliegen. Dieses solenoglyphe Zahnsystem ermöglicht eine präzise und effiziente Giftinjektion in Beute oder Angreifer.
Wärmeempfindliche Sinnesgruben
Grubenottern der Neuen Welt besitzen auf jeder Kopfseite zwischen Auge und Nasenloch ein wärmeempfindliches Sinnesorgan. Diese Gruben registrieren Infrarotstrahlung von warmblütigen Tieren und ermöglichen es der Schlange, ihre Beute auch in völliger Dunkelheit präzise zu orten.
Hören durch den Boden
Schlangen haben weder äußere Ohröffnungen noch ein Trommelfell. Klapperschlangen nehmen dennoch Bodenvibrationen über Schädelknochen und Unterkiefer wahr, die mechanische Schwingungen an das Innenohr weiterleiten. Besonders Erschütterungen durch nahende Schritte werden so zuverlässig registriert.
Nr. 7: Puffotter (Bitis arietans) Meisterin des Hinterhalts
Die Puffotter verdankt ihren Namen genau diesem Verhalten: Wenn sie sich bedroht fühlt, bläht sie ihren Körper dramatisch auf und stößt ein lautes, kräftiges Zischen aus. Sie gilt als eine der medizinisch wichtigsten Schlangen Afrikas und verursacht jährlich zahlreiche schwere Bisse mit dauerhaften Behinderungen oder tödlichem Ausgang.
Unsichtbar bis zum Biss
Ihre kryptische Zeichnung und ihr gedrungener Körperbau ermöglichen es der Puffotter, im Laub, in trockenem Gras und auf felsigem Untergrund praktisch unsichtbar zu bleiben. Sie ist ein klassischer Hinterhaltsjäger, der stundenlang reglos verharrt und darauf wartet, dass Beute in Reichweite gerät. Die meisten Bisse ereignen sich, weil jemand unwissentlich an eine Schlange herantritt, die er nie bemerkt hat.
Die Zunge als Köder
Puffottern sind in der Lage, mit Zungenbewegungen potenzielle Beute anzulocken, ein Verhalten, das als Linguallocken bezeichnet wird. Besonders bei der Jagd auf Amphibien erweist sich diese Methode als wirksam: Frösche reagieren auf die Bewegung und nähern sich der Schlange statt zu fliehen.
Außergewöhnlich große Würfe
Puffottern bringen lebende Jungtiere zur Welt statt Eier zu legen. Ihr Reproduktionspotenzial ist bemerkenswert: In Gefangenschaft wurde ein Wurf von 156 Jungtieren dokumentiert, einer der höchsten bekannten Werte bei Vipern überhaupt.
Lokal zerstörerisches Gift
Das Gift der Puffotter verursacht schwere lokale Gewebeschäden, Schwellungen, Blutungen und Störungen der Blutgerinnung. Ernsthafte Bisse können zu ausgedehnten Nekrosen und dauerhaften Extremitätenschäden führen, insbesondere wenn die Behandlung verzögert wird.
Nr. 6: Sandviper / Hornviper (Vipera ammodytes) Gefährlichste Viper Europas
Die Sandviper, im deutschsprachigen Raum auch als Hornviper bekannt, ist sofort an dem weichen, hornartigen Fortsatz auf der Schnauzenspitze zu erkennen. Sie kommt in Teilen des südlichen und südöstlichen Europas sowie Westasiens vor und gilt traditionell als die medizinisch gefährlichste Giftschlange Europas, da einige ihrer Vergiftungen besonders schwer verlaufen.
Ein irreführender Name
Der Artname ammodytes stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „Sandgräber". Trotzdem bevorzugt die Sandviper trockene, felsige Lebensräume und ist keine Wüstenspezialistin, wie der Name vermuten lässt.
Das Horn ist weich
Der charakteristische Nasenfortsatz besteht nicht aus hartem Knochen oder Keratin wie bei Säugetieren, sondern aus modifizierten Schuppen. Er ist vergleichsweise weich und biegsam, weit entfernt von einem starren Horn.
Giftveränderung mit dem Alter
Junge Vipera ammodytes ernähren sich hauptsächlich von Eidechsen. Mit zunehmendem Körperwachstum werden Kleinsäuger zur dominierenden Beute. Aktuelle Forschung zeigt, dass dieser Diätwechsel von signifikanten Veränderungen in der Giftzusammensetzung begleitet wird, ein bemerkenswertes Beispiel ontogenetischer Giftvariabilität bei einer europäischen Art.
Neurotoxische Giftkomponenten in einigen Populationen
Das Gift enthält Phospholipasen A2, Metalloproteasen, Serinproteasen, vaskuläre endotheliale Wachstumsfaktoren und C-Typ-Lektine. Bestimmte Populationen besitzen außerdem neurotoxische Phospholipasen A2, darunter Vipoxin. Eine Vergiftung kann daher neben hämorrhagischen und gewebsschädigenden Effekten auch neurologische Symptome hervorrufen.
Nr. 5: Levantinische Viper (Macrovipera lebetina) Schwergewicht des östlichen Mittelmeerraums
Die Levantinische Viper, auch als Stumpfnasenotter bekannt, ist eine große Viper der Alten Welt mit Verbreitung im Nahen Osten, in Zentralasien und Nordafrika. Ihre Größe und die Wirkungsbreite ihres Giftes machen sie medizinisch bedeutsam im gesamten Verbreitungsgebiet.
Komplexes Gift mit vielen Angriffspunkten
Das Gift enthält zahlreiche Toxinfamilien: Metalloproteasen, Serinproteasen, Phospholipasen A2, Disintegrine, C-Typ-Lektine und L-Aminosäureoxidasen. Zusammen stören sie die Blutgerinnung, zerstören lokales Gewebe und lösen systemische Entzündungsreaktionen aus. Dokumentierte Vergiftungen beim Menschen führten zu ausgeprägten Schwellungen, Hämorrhagien, Blutdruckabfall und Gewebsnekrosen, die ohne schnelle Behandlung lebensbedrohlich werden können.
Giftunterschiede zwischen Populationen
Forschungsergebnisse belegen Unterschiede in der Giftzusammensetzung zwischen Unterarten und regionalen Populationen von Macrovipera lebetina. Die genauen ökologischen Ursachen dieser Variation sind komplex und lassen sich nicht auf einfache beutebezogene Erklärungen reduzieren.
Die einzige Eierlegerin in diesem Ranking
Anders als die meisten anderen Arten in dieser Liste ist Macrovipera lebetina ovipar: Sie legt Eier statt lebende Jungtiere zu gebären. Diese biologisch wichtige Besonderheit beeinflusst das Verhalten der Weibchen und ihre Habitatansprüche während der Brutzeit.
Nr. 4: Gabunviper (Bitis gabonica) Längste Giftzähne aller Vipern
Die Gabunviper ist eine der größten und schwersten Vipern Afrikas. Einzelne Tiere überschreiten zwei Meter Länge und können in Ausnahmefällen fast zehn Kilogramm wiegen. Ihr bekanntestes Merkmal sind jedoch zweifellos ihre Giftzähne.
Giftzähne von bis zu fünf Zentimetern
Die hohlen solenoglypen Giftzähne können bei großen Individuen eine Länge von rund fünf Zentimetern erreichen und gehören damit zu den längsten dokumentierten Giftzähnen bei Giftschlangen überhaupt. Wie bei allen Vipern klappen sie beim Biss nach vorne und legen sich bei geschlossenem Maul am Gaumen an.
Tarnung auf dem Waldboden
Der Körper ist mit fein strukturierten geometrischen Mustern in Braun-, Creme- und Gelbtönen bedeckt, die den Umriss der Schlange optisch auflösen. Eine ruhende Gabunviper im Laubstreu ist selbst für geübte Augen kaum zu erkennen, wenn man weiß, dass sie dort liegen muss.
Lange Trächtigkeit, große Würfe
Gabunvipern sind vivipar. Die Weibchen tragen die Embryonen etwa sieben Monate aus, bevor sie lebende Jungtiere zur Welt bringen. Die Würfe umfassen häufig mehrere Dutzend Nachkommen. Trotz dieser Reproduktionsleistung ist die Art ausgesprochen sesshaft und verlässt sich fast ausschließlich auf Hinterhalte statt aktiv zu jagen.
Nr. 3: Fer-de-Lance (Bothrops asper) Gefürchtetste Viper Mittelamerikas
Der Fer-de-Lance ist die Schlange, die in Mittelamerika und im nördlichen Südamerika am häufigsten zu ernsthaften Vergiftungsbehandlungen führt. Sein Gift wirkt schnell und zerstörerisch, sein Abwehrverhalten ist ausgeprägt, und er teilt sich Lebensräume mit großen menschlichen Bevölkerungen in ländlichen und landwirtschaftlichen Gebieten.
Aktive und sichtbare Verteidigung
Wenn ein Fer-de-Lance bedroht wird, bläht er seinen Körper auf, nimmt eine enge Verteidigungsringposition ein, vibriert mit dem Schwanz und schlägt wiederholt zu, oft ohne viel Zögern. Diese Kombination aus Verhaltensweisen macht eine Begegnung aus nächster Nähe besonders riskant.
Schwanzköder bei Jungtieren
Junge Individuen verschiedener Bothrops-Arten setzen ihr Schwanzende als Köder ein und wedeln damit, um Beute in Schlagreichweite zu locken. Diese als kaudales Ködern bezeichnete Technik hilft Jungtieren, Nahrung zu sichern, bevor sie groß genug für größere Beutetiere sind.
Gift mit rascher Gewebszerstörung
Das Gift von Bothrops asper ist eine komplexe Mischung aus Metalloproteasen, Phospholipasen A2, Serinproteasen und weiteren biologisch aktiven Proteinen. Eine Vergiftung kann ausgedehnte lokale Gewebszerstörung, unkontrollierte Blutungen, Koagulopathie und in manchen Fällen Nierenschäden verursachen. Die Geschwindigkeit, mit der lokale Nekrosen entstehen, macht eine frühzeitige Antivenomgabe entscheidend.
Bis zu 90 Jungtiere pro Wurf
Weibchen können sehr große Würfe produzieren, mit dokumentierten Rekorden von bis zu 90 Jungtieren. Diese hohe Reproduktionskapazität unterstützt dichte Populationen in geeigneten Lebensräumen und erhöht die Häufigkeit menschlicher Begegnungen.
Ein natürlicher Feind mit Giftresistenz
Die Mussurana (Clelia clelia) ist eine ophiophage Schlange, die andere Schlangen aktiv erbeutet, darunter auch giftige Arten. Laborstudien haben gezeigt, dass ihr Blutserum wichtige hämorrhagische Wirkungen des Bothrops asper-Giftes neutralisieren kann. Dies stellt eine ausgeprägte natürliche Resistenz dar, keine vollständige Immunität.
Nr. 2: Buschvipern (Atheris spp.) Kein artspezifisches Antivenom verfügbar
Die afrikanischen Buschvipern der Gattung Atheris haben eine ökologische Nische besetzt, die kaum eine andere Viperngattung so konsequent nutzt: das Blätterdach des Waldes. Viele Arten sind hochgradig arborikol und nachtaktiv, lauern auf Ästen und nutzen Vegetation als Jagdplattform. Ihr auffälliges Äußeres und das Fehlen eines artspezifischen Antivenoms machen sie zu einer der medizinisch herausforderndsten Gruppen in diesem Ranking.
Schuppen wie Rüstungsplatten
Die meisten Atheris-Arten haben stark gekielte Schuppen, die ihrem Körper eine raue, fast stachelige Textur verleihen. Weit davon entfernt, nur dekorativ zu sein, helfen diese Schuppen den Schlangen, sich in komplexem Blattwerk und auf Baumrinde zu tarnen.
Kein artspezifisches Antivenom
Derzeit existiert kein Antivenom, das speziell für die Gattung Atheris entwickelt wurde. In dokumentierten Fällen wurden polyvalente Antiseren für andere afrikanische Schlangen eingesetzt, was jedoch nicht als zuverlässige Standardtherapie gelten kann. Diese Lücke in der medizinischen Versorgung ist eine ernsthafte Herausforderung in den Regionen, in denen diese Schlangen vorkommen.
Farben, die sich ein Leben lang verändern
Einige Buschvipern, darunter Atheris squamigera, durchlaufen im Laufe ihrer Entwicklung auffällige Farbveränderungen. Jungtiere können sich farblich deutlich von Adulttieren unterscheiden, und die Färbung wird mit zunehmendem Alter oft einheitlicher. Mechanismus und biologische Bedeutung dieser Veränderungen sind noch Gegenstand aktiver Forschung.
Echte Vipern ohne Wärmegruben
Atheris gehört zur Unterfamilie der echten Vipern (Viperinae) und nicht zu den Grubenottern (Crotalinae). Damit fehlen den Buschvipern die infrarotempfindlichen Grubenorgane, die Klapperschlangen und andere Grubenottern auszeichnen. Zur Beuteortung nutzen sie stattdessen Sehvermögen, Chemorezeption und Tastsinne.
Von Geburt an giftig und selbständig
Gut untersuchte Arten wie Atheris squamigera bringen lebende Jungtiere zur Welt, die von Geburt an giftig und fast sofort selbständig jagdfähig sind. Eine elterliche Fürsorge gibt es nicht: Die Neugeborenen sind vom ersten Tag an auf sich allein gestellt.
Nr. 1: Aspisviper (Vipera aspis) Häufigste Giftschlange Westeuropas
Vipera aspis ist eine giftige Viper aus dem west- und mitteleuropäischen Raum, mit besonders gut dokumentierten Populationen in Italien und Frankreich. In Italien ist sie die am häufigsten angetroffene Giftschlange. Ihre Platzierung an der Spitze dieses Rankings spiegelt nicht nur die Giftwirkung wider, sondern vor allem die Häufigkeit ihres Zusammentreffens mit Menschen in dicht besiedelten europäischen Landschaften.
Gift mit mehreren Wirkungsebenen
Das Gift enthält Metalloproteasen, Phospholipasen A2, C-Typ-Lektine, Disintegrine und weitere biologisch aktive Proteine. Die primären klinischen Effekte sind hämorrhagisch und zytotoxisch. In bestimmten Populationen wurden jedoch auch neurotoxische Symptome berichtet, was auf eine bedeutsame intraartliche Giftvariabilität hinweist.
Geduldige Lauerjägerin
Die Aspisviper ist eine bodenbewohnende Hinterhaltsjägerin. Studien an europäischen Populationen dokumentieren Diäten, die von Kleinsäugern dominiert werden, wobei die genaue Beutezusammensetzung je nach Lebensraum und geografischer Lage variiert. Bevorzugte Habitate sind sonnenexponierte Felsränder, Waldränder und verbuschte Hänge.
Trächtigkeit kostet Energie
Die Fortpflanzung ist für Aspisviperweibchen energetisch sehr aufwendig. Die Trächtigkeit dauert bis zu etwa drei Monate, in denen die Weibchen deutlich mehr Zeit mit Sonnen verbringen als üblich, um optimale Körpertemperaturen für die Embryonalentwicklung aufrechtzuerhalten. Publizierte Studien verzeichnen Wurfgrößen von einem bis zu 22 Jungtieren, eine große Spanne, die den Einfluss von Körpergröße und Kondition der Weibchen widerspiegelt.
Nicht mit der Sandviper verwechseln
Die Aspisviper hat eine leicht nach oben gebogene Schnauze, ihr fehlt jedoch der auffällige Nasenfortsatz, der die Sandviper (Vipera ammodytes) sofort kenntlich macht. Trotz ähnlicher Volksnamen und teilweise überlappender Verbreitungsgebiete handelt es sich um vollständig verschiedene Arten mit unterschiedlichen Giftprofilen und Habitatpräferenzen.
Häufige Fragen zu gefährlichen Vipern
Welche Viper ist die giftigste der Welt?
Die Antwort hängt davon ab, was mit „giftigst" gemeint ist. Geht es um die Gifttoxizität im Labor (LD50), schneiden einige kleinere Arten hoch ab. Misst man die Gefährlichkeit an der globalen Sterblichkeit und Morbidität durch Schlangenbisse, nennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Russells Viper (Daboia russelii) und die Schuppenviper (Echis carinatus) als medizinisch besonders folgenreiche Arten weltweit.
Was unterscheidet Vipern von anderen Giftschlangen?
Vipern (Familie Viperidae) sind vor allem durch ihre solenoglypen Giftzähne definiert: lange, hohle Fangzähne, die am Gaumen anliegen und beim Biss nach vorne ausklappen. Die meisten Arten sind zudem vivipar. Ihr Körper ist in der Regel gedrungener als bei anderen Giftschlangen, und der Kopf ist breit und deutlich vom Hals abgesetzt. Diese Merkmale unterscheiden sie von Elapiden wie Kobras oder Mambas, die kürzere, feststehende Giftzähne und eine schlankere Gestalt besitzen.
Gibt es gefährliche Vipern in Europa?
Ja. In Europa kommen mehrere medizinisch relevante Viperarten vor. Die Sandviper (Vipera ammodytes) aus dem südlichen und südöstlichen Europa gilt traditionell als die gefährlichste Giftschlange des Kontinents. Die Aspisviper (Vipera aspis) ist in West- und Mitteleuropa die am häufigsten angetroffene Giftschlange und kommt in Teilen Italiens, Frankreichs und der Schweiz vor. Auch die Kreuzotter (Vipera berus) ist in Deutschland heimisch und kann bei Bissen, die selten aber möglich sind, ernsthaftere Symptome verursachen, als oft angenommen wird.
Sind alle Vipern lebendgebärend?
Die meisten Viperarten sind vivipar oder ovovivipar und bringen lebende Jungtiere zur Welt. Es gibt jedoch auch eierlegende (ovipare) Viperarten. In diesem Ranking ist die Levantinische Viper (Macrovipera lebetina) die einzige ovipare Art.
Was tun bei einem Vipernbiss?
Bei jedem Biss durch eine potenziell giftige Schlange muss sofort ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden. Kein Tourniquet anlegen, kein Gift aussaugen und keine Einschnitte vornehmen. Die betroffene Extremität sollte ruhig gehalten und möglichst in etwa Herzhöhe gehalten werden. Die betroffene Person ruhig halten und schnellstmöglich in die nächste Notaufnahme bringen. Antivenom, sofern verfügbar und indiziert, darf nur durch medizinisches Fachpersonal verabreicht werden.
Sind Klapperschlangen Vipern?
Ja. Klapperschlangen der Gattung Crotalus gehören zur Familie Viperidae, Unterfamilie Crotalinae (Grubenottern). Sie unterscheiden sich von echten Vipern der Alten Welt vor allem durch ihre Wärmegruben zwischen Auge und Nasenloch sowie durch ihre charakteristische Schwanzrassel aus Keratin-Segmenten. Beides fehlt bei echten Vipern wie der Aspisviper oder Russells Viper.
Gibt es in Deutschland giftige Schlangen?
In Deutschland lebt als einzige heimische Giftschlange die Kreuzotter (Vipera berus). Sie gehört ebenfalls zur Familie Viperidae und ist damit eine echte Viper. Bisse sind selten und selten lebensbedrohlich, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden, da in Einzelfällen ernsthafte Vergiftungsverläufe möglich sind, insbesondere bei Kindern oder immungeschwächten Personen.


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